Phnom Phen Nachtrag

Mai 17, 2010

die Fahrt von Kampot in die Hauptstadt Kambodschas begann leicht hektisch, das an sich zeitlich gut geplante Fruehstueck musste ich runterschlingen, weil die Herrschaften es nicht fertigbrachten, innerhalb von 40 Minuten einen Tee und ein Muesli zuzubereiten. Nun ja. zurueck am Guesthouse kam mir die Dame von der Rezeption des Blissful Guesthouses entgegen [ich war 5 Minuten zu spaet fuer den Pick up zum Busbahnhof]und entschuldigte sich, sie habe den Fahrer wieder weggeschickt, weil sie dachte ich waere chon dort. Zum Glueck kam sofort Ersatz, der mich netterweise zum Bahnhof brachte. Ich schmiss meinen Rucksack in den etwas klapprig anmutenden Bus und stieg ein. Neben mir waren noch ein paar andere Westliche im Bus und der gesamte Bus schien mehr oder minder auf mich gewartet zu haben. Ich vertrieb mir die Zeit mit Musik hoeren und die Dame neben mir vergnuegte sich mit quasi permanentem Essen [ was hier sehr haeufig der Fall ist- Busfahrten sind auch an sich ziemlich langweilig], das sie mir ab und zu anbot und ich dankend annahm. In Phnom Phen angekommen tat ich mich mit zwei Daenen zusammen und wir fuhren zum Happy Guesthouse #11, das uns von Brian empfohlen wurde. Ich entschied mich nach besichtigung des 3$- Zimmers mit Gemeinschaftsdusche spontan fuer das 4$ Zimmer- ich glaube, ich haette den gesamten Aufenthalt lang nicht geduscht :) Nach einer etwas verlaengerten Mittagspause entschloss ich mich dann doch noch, die Stadt ein wenig zu erkunden, schaute mir den Zentralmarkt an, dessen gelbe Kuppel zum Glueck gut zu sehen ist [innen nicht allzu sehenswert] und nachdem ich endlich alle penetranten TukTuk- und Motorradtaxifahrer abgeschuettelt hatte lief ich mehr oder minder ziellos durch die Gegend. Und ich fand den scheinbar hoechsten Punkt der Stadt, eine Art Huegel, auf der das Silver Pagoda steht. Leider war all meine Waesche in der Reinigung, sodass ich neben meinen Kniebedeckenden Hosen nurnoch ein Tanktop hatte, und somit konnte ich mir den Ausblick von oben nicht ansehen- in die Tempelanlage wollte ich- trotz all der westlichen und asiatischen Damen in Spaghettitraegern- nicht gehen. So setzte ich mich an den Fuss des Tempels, um mich auszuruhen und ploetzlich erschien eine Horde Affen, die augenscheinlich nicht allzu menschenscheu waren. Beim Versuch, Fotos zu machen versuchte einer von ihnen zaghaft, meine Wasserflasche zu klauen, rannte aber direkt weg, als ich mich zu ihm umdrehte. Einer der etwas aelteren Affen setzte sich aber direkt neben mich [siehe Fotos] und blieb ganz entspannt sitzen, um sich mit mir ein wenig umzusehen. Irgendwann begann es duester zu werden und ich machte mich auf den Rueckweg zum Guesthouse, natuerlich nicht, ohne mich zu verlaufen :) Eine sehr hilfreiche Dame wies mir den Weg mit dem obligatorischen ‘oh, no, too far’- Asiaten scheinen auch den Weg zum Shop 10m weiter ausschliesslich per Roller zurueckzulegen. Praktischerweise hatte sie auch direkt jemanden zur Hand und als er mir die Fahrt fuer 1000 Riel (0,25Euro) anbot sagte ich spontan zu. Nach nichtmal 5 Minuten waren wir am Ziel angekommen und als ich kurz nach meinem Geldbeutel suchte sagte er ploetzlich ‘ah, is ok’, laechelte und fuhr los. Ich rief ihm noch hinterher und wedelte mit den 1000 Riel, aber er winkte nur ab und verschwand, was mich die Kambodschaner noch mehr lieben liess. [es sollte nicht die letzte Begegnung dieser Art gewesen sein]

Weil ich nicht alleine Abendessen wollte sprach ich im Backpackerviertel drei Englaender an und wir gingen spontan zusammen essen, was sich als sehr amuesant herausstellte und so blieb ich etwas laenger als geplant. Nach einer eher unruhigen Nacht ging ich am naechten Morgen fruehstuecken und wie es der Zufall wollte traf ich auf dem Rueckweg auf Peter aus Schweden, der genau wie ich zu den Killing Fields und dem S21, dem Prison Museum wollte. Weil ein TukTuk zu zweit natuerlich guenstiger ist fuhren wir zusammen und verstanden uns auf Anhieb richtig gut. Kurz vor den Killing Fields, die wirklich weit ausserhalb der Stadt liegen hatte unser Fahrer einen Platten und wir mussten den Rest des Weges laufen. Er versprach, nach der Reparatur auf uns zu warten- wir hatten ja auch noch nicht gezahlt. Die Killing Fields fuehlten sich mehr wie ein Park an, alles war sehr sauber und ordentlich, der Stupa, in dem die Gebeine der Getoeteten aufbewahrt wurden erschien mir mehr wie ein Schaukasten, aber ich weiss, das ist eine sehr westliche Denkweise. Das kleine Gebaeude am Rand des Feldes erklaerte sehr anschaulich, was in der Zeit des Khmer Rouge Regimes passierte und wie paradox deren Kodex war, dass einerseits alle Gebildeten getoetet werden sollten und andererseits die gesamte Fuehrungsriege des Regimes aus Menschen bestand, die in Frankreich zur Uni gegangen sind. Dass es genuegte, eine Brille zu tragen um als Gebildeter zu gelten. Dass es einzig darum ging, eine klassenfreie Arbeitergesellschaft zu bilden, die es aber von Anfang an nie gab, weil die Fuehrung und die direkt Untergebenen immer mehr Wohlstand und Essen hatten als das Volk. Und wie grausam die Regierung gegen [vermeindliche] Kritiker vorging. Um Munition zu sparen wurden zuerst Menschen in Reihen aufgestellt, spaeter wurde mit einfachsten Gartengeraeten auf die Menschen eingeschlagen, bis sie starben. Auf dem Areal der Killing Fields wurden Loecher ausgehoben, vor die sich die Kritiker zu stellen hatten um mit Schlaegen auf den Kopf getoetet zu werden und damit direkt in die Grube fielen. Der Gedanke daran, das taeglich mehrere Hundert Menschen starben und auch Kleinstkinder dort getoetet wurden gab mir permanent eine Gaensehaut. Mit diesen erschreckenden Bildern und Gedanken fuhren wir sichtlich bedrueckt zum S21, einer ehemaligen Schule, die unter der Khmer Rouge zum Gefaengnis umfunktioniert wurde. Wobei Gefaengnis eine glatte Untertreibung ist, weil das S21 auch dazu genutzt wurde, Menschen auf grausamste Art und Weise zu foltern, zum Teil bis das Opfer starb. Die Zellen waren unglaublich klein und oft ohne natuerliche Lichtquelle, der gesamte Gebaudekomplex mit Stacheldraht abgeschottet. Heute sind dort vor allem Fotos zu sehen, von allen Insassen, zusaetzlich von Gefolterten, Toten und den Foltermethoden. In einem der Gebaeude gab es zu einigen Gesichtern auch kurze Geschichten, die eindringlich klarmachten, warum so viele Menschen fuer das Regime gekaempft und gearbeitet haben: aus purer Angst, selbst getoetet zu werden. Leider waren Peter und ich so vollgestopft mit Eindruecken, dass wir Beide am Ende mehr oder weniger durch das letzte der drei Gebaeude liefen und nur hier und da einige Erklaerungen lasen. Wir beschlossen, am Fluss Essen zu gehen, um uns noch weiter ueber unsere Gedanken auszutauschen. Danach liefen wir langsam Richtung Backpacker Area, um auf dem Weg nochmal am Pagoda mit den Affen anzuhalten und diesmal den Huegel zu besteigen. Leider war die Sicht nicht annaehernd so schoen wie erhofft, deshalb sahen wir noch ein wenig den Affen zu und machten uns dann wieder auf den Weg. Zum Abendessen verabredeten wir uns im Lazy Gecko, und das Essen war [zwar Western aber] richtig gut. [Kartoffelbrei! Baked Beans!]. Meine Planung fuer den naechsten Tag war relativ simpel, weil ich das Gefuehl hatte, ich sollte all die Gedanken ueber die Geschichte Kambodschas einfach sacken lassen. Also verbrachte ich den ganzen Tag entweder im Bett oder auf der Terasse des Guesthouses. Fuehlte sich gut an, auch mal nichts zu machen. Abends kam dann die Nachricht von Brian, dass er seine Plaene geaendert hat und nicht mit mir nach Ban Lung kommt und so entschied ich mich, am naechsten morgen alleine zu fahren.

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